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Aktuelles

Die Vorträge finden, wenn nicht ausdrücklich anders angegeben, immer um 19.00 Uhr im Stadtarchiv Dortmund, Märkische Straße 14, 44135 Dortmund, statt. Der Vortragsraum befindet sich im Erdgeschoss und ist vom Foyer aus zugänglich. Für einen barrierefreien Zugang ist Sorge getragen.

11.03.2020 19:00 Uhr, Stadtarchiv Dortmund

Karl-Heinz Ott (Freier Autor, Freiburg):

Hölderlins Geister

Am Eingang des Tübinger Hölderlin-Turms stand jahrelang der Satz aufgesprüht: „Der Hölderlin isch et veruckt gwä!“ Ein Verrückter? Ein Revolutionär? Schwäbischer Idylliker? Oder der Vorreiter aller modernen Poesie? Friedrich Hölderlin, der Mann im Turm, ist umkämpft wie kein zweiter deutscher Dichter. Im 19. Jahrhundert fast vergessen, im 20. Jahrhundert vom George-Kreis wiederentdeckt, von den 68ern als Revolutionär gefeiert: In seinem so witzigen wie gelehrten Essay zeigt Karl-Heinz Ott Hölderlin als großen Spiegel Deutschlands. Tübingen ist der Rahmen; dort hat der Dichter den größten Teil seines Lebens zugebracht, dort geistert er bis heute faszinierend umher.

19.03.2020 19:00 Uhr, Stadtarchiv Dortmund

Prof. Dr. Wilfried Reininghaus (Münster):

Der Arbeiteraufstand im Ruhrgebiet 1920

Im März 1920 versuchten reaktionäre Militärs und konservative Politiker die noch junge Weimarer Republik zu beseitigen. Den „Kapp-Lüttwitz-Putsch“ beantworteten die demokratischen Kräfte mit einem bis dahin beispiellosen Generalstreik, der den Umsturzversuch bereits nach fünf Tagen vereitelte. Im Ruhrgebiet kehrte mit dem Ende des Putschversuches jedoch keine Ruhe ein: Verschiedene Gruppen hatten sich bewaffnet, ein Teil von Ihnen wollte den Kampf fortsetzen, um ein Rätesystem zu etablieren. Die Folge waren bürgerkriegsähnliche Verhältnisse, die vielerorts von der Reichswehr blutig beendet wurden.
Die Bewertung der Ereignisse im Ruhrgebiet 1920 ist bis heute außerordentlich umstritten.Eine neutrale und objektive Darstellung des Bürgerkriegs an der Ruhr ist bis heute sehr schwierig. Wilfried Reininghaus analysiert zeitgenössische, objektive aber auch äußerst einseitige Darstellungen der Ereignisse und versucht so zu einem besseren Verständnis der aufgeheizten Stimmung des März 1920 beizutragen.

22.04.2020 19:00 Uhr, Stadtarchiv Dortmund

Prof. Dr. Edgar Wolfrum (Heidelberg):

Der Aufsteiger: Eine Geschichte Deutschlands von 1990 bis heute

Seit der Wiedervereinigung von 1990 hat sich die Bundesrepublik enorm verändert. Das Land ist territorial größer und bevölkerungsreicher geworden, und gleichsam über Nacht ist dieses neue Deutschland, die Berliner Republik, in die Rolle einer kontinentalen Großmacht mit weltpolitischem Gewicht geschlüpft. Auch die äußere Wahrnehmung des Landes wandelte sich in den letzten 30 Jahren: Zum einen machten sich in Europa Ängste breit, wie dieser bis dahin relativ „gütige Hegemon“ künftig agieren werde. Gleichzeitig wiesen weltweite Umfragen darauf hin, dass Deutschland zum beliebtesten Land der Welt geworden sei – eine Entwicklung, die 1945 völlig unvorstellbar gewesen war. Parallel belasteten die Probleme mit der „inneren Einheit“ die Bundesrepublik: Deutschland war ein zwischen Ost und West gespaltenes Land.
Pointiert und anschaulich erzählt – die Geschichte der deutschen Demokratie von 1990 bis heute: Die erste moderne und konzise Gesamtdarstellung der Ereignisse, Strukturen und Akteure, die aus den letzten 30 Jahren schließlich eine Geschichte des Aufstiegs gemacht haben.

06.05.2020 19:00 Uhr, Stadtarchiv Dortmund

Dr. Bruno Preisendörfer (Freier Autor, Berlin):

Als die Musik in Deutschland spielte: Reise in die Bachzeit

Das Deutschland des Barock war erfüllt von der Musik tausender Hoforchester, Kirchenorgeln und Chöre, ob zur Unterhaltung des Adels, zu jedem Gottesdienst oder auf den Dorffesten der einfachen Leute – immer wurde gefiedelt, geflötet und getrommelt. Und es wurde komponiert: Musik, die bis heute weltweit die Menschen beeindruckt und berührt. Bruno Preisendörfer nimmt uns mit in das Leben der Menschen im Barock, in die Zeit der großen Komponisten Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann. Wir tauchen ein in den Alltag der Leute, erfahren von ihren Freuden und Lastern: Gebratene Singvögel zum Abendessen, Blumenzwiebeln als Spekulationsobjekte, Tabak für die Männer, Kaffee für die Frauen, Tanz, Bier und Schnupftabak für alle.

17.06.2020 19:00 Uhr, Stadtarchiv Dortmund

Prof. Dr. Martin Aust (Bonn):

Die Schatten des Imperiums: Russland seit 1991

Der Untergang der Sowjetunion verlief im welthistorischen Vergleich relativ unblutig. Doch er hinterließ ein Erbe, das bis heute fortwirkt: Russland agiert seit 1991 in einem postimperialen Raum, der zuvor über Jahrhunderte erst vom zaristischen schließlich vom sowjetischen System beherrscht wurde. Die neu entstehenden Nationalstaaten ließen Minderheitenkonflikte eskalieren, die im imperialen Zusammenhang ruhig gestellt gewesen waren. Doch auch im Zentrum selbst wirkten imperiale Denkweisen und Institutionen fort. Es wird seitdem in Russland intensiv darum gerungen, wie mit dem imperialen Erbe umzugehen sei und was es für die Gegenwart bedeutet.
Martin Aust zeichnet alle diese Probleme und Debatten nach und zeigt, wie wichtig sie sind, um die gegenwärtige Politik Russlands wirklich zu verstehen.

24.06.2020 19:00 Uhr, Stadtarchiv Dortmund

Dr. Olaf Jessen (Freier Autor, Schleswig-Holstein):

Moltke – Preußens Feldherr

Helmuth von Moltke (1800 – 1891) war eine der prägendsten Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts in Deutschland: Geburtshelfer des Deutschen Reiches, Weltbürger und Nationalikone, Dichter und Politiker, Abenteurer und “großer Schweiger”.
Seine Laufbahn begann er als dänischer Kadett, wechselte dann in die Armee des Königs von Preußen, übersetzte Gibbons monumentale römische Geschichte und ließ sich ins Osmanische Reich abkommandieren. Seine “Briefe aus der Türkei” wurden zum Bestseller. Er heiratete eine Halbengländerin, pflegte Musik und Literatur und stieg zum Chef des Großen Generalstabs auf. Seine siegreichen Feldzüge gegen Dänemark, Österreich und Frankreich waren das Fundament zur Gründung des Deutschen Reichs und öffneten zugleich das Tor zum industrialisierten Volkskrieg. Danach warnte der Generalstabschef vor “totalen” Kriegen.
Olaf Jessen gelingt das Kunststück, Moltke auf Reisen und in Schlachten, als Gutsherr und Politiker so lebendig werden zu lassen, dass hinter der Kulisse des modellhaften Preußen der schwermütige Abenteurer und kosmopolitische Deutsche erkennbar wird, der alle Widersprüche des Jahrhunderts in sich vereinte.