Header_V8_5.jpg
Monatsarchiv
Kalender
Dezember 2018
M D M D F S S
« Nov    
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

1100 – 1300

Dortmund wird Reichsstadt – Dortmund in der Stauferzeit

Vom Ort zur Stadt – dieser Wandel vollzieht sich in der Stauferzeit im 12. und 13. Jahrhundert. Die Stadt löst sich – ausgehend von Privilegierungen der staufischen Könige Konrad III., Friedrich I. Barbarossa und Friedrich II. – aus der herrschaftlichen Umklammerung des Königtums und seiner Beamten vor Ort, an der Spitze der Graf von Dortmund.

Der Wandel wird schon daran deutlich, dass die Könige nach den Zerstörungen eines großen Stadtbrandes im Jahre 1232 die alte Königspfalz nicht mehr neu errichten. Im großen Privileg Friedrichs II. aus dem Jahre 1236, das alle Reichsprivilegien seiner Vorgänger bestätigt, die im Brand vernichtet worden waren, erkennt der König die Dortmunder Bürgergemeinde als rechtsfähige Genossenschaft an.
Friedrich II. nämlich richtet sich mit diesem Privileg an die „universitas civium Tremoniensium”, an die Gemeinde der Bürger von Dortmund also, um folgende Rechte zu bestätigen:

Dortmunder haben ihren Gerichtsstand ausschließlich in Dortmund, Dortmunder genießen im gesamten Reich Zollfreiheit und dürfen nicht zum Duell aus unrechtem Grunde gefordert werden. Mag dies aus heutiger Sicht zwar in den inhaltlichen Bestimmungen karg erscheinen, so ist es auf der anderen Seite für die mittelalterliche Gesellschaft etwas völlig Neues:

Der König richtet sich mit diesem Privileg an die Bürgergemeinde und setzt allein dadurch schon die Gemeinschaft der Dortmunder Bürger vom Umland als Reichsstadt ab.

Der Zuwachs der Bedeutung wird auch im Stadtbild deutlich: Um 1200 wird die Stadt auf den Umfang erweitert, der noch heute im Wallring um die City gut zu erkennen ist. Diese Erweiterung auf rund 82 ha Fläche sollte der städtischen Entwicklung bis ins 19. Jahrhundert genügend Raum bieten – erst die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts sprengte diesen Bezirk.

Sichtbares Zeichen der städtischen Autonomie Dortmunds ist das sogenannte Turmsiegel, das große Siegel der Stadt.

Die Bildung der Bürgergemeinde wird damit im Rechtsleben des Mittelalters anerkannt, denn die Stadt stellt mit diesem Siegel wichtige Verträge und Urkunden aus; damit erkennen Vertragspartner die Stadt grundsätzlich an.

Dieses Siegel, erstmals 1241 überliefert, reicht aber mit Sicherheit in das 12. Jahrhundert zurück. Die Bemühungen der Stadt um Selbstverwaltung und politische Autonomie stießen vor allem bei dem Grafen von Dortmund, dem ranghöchsten Vertreter des Königtums für die Verwaltung der Reichsgutes in der Region, auf mächtigen Widerstand.

Die Grafen von Dortmund, eine Familie aus dem Kreis der Reichsministerialität, nahmen für den König zahlreiche Rechte in Dortmund wahr, etwa für Markt, Münze oder auch das Braurecht. Auseinandersetzungen zwischen Graf und Stadt waren dadurch vorprogrammiert.

Wir erkennen die Auseinandersetzungen in den urkundlich erhaltenen Verträgen; der erste stammt von 1241: Der Graf verkauft sein Haus am Markt, das in der Folge schon bald als Haus der Bürger zum Rathaus werden sollte.

In den folgenden Jahren setzt die Stadt dies fort, um Zug um Zug die Rechte des Grafen von Dortmund aufzukaufen, bis im Jahr 1504 schließlich alle Rechte des Grafen als Reichslehen von der Reichsstadt erworben werden können.

In einem Vertrag von 1241 wird erstmals ein Ratsgremium genannt – die 18 namentlich genannten „Consules” besiegeln die Urkunde für die Stadt. Die Stadt Dortmund kann also mit dem Grafen von Dortmund gleichberechtigt Verträge schließen. Erstmals in der Geschichte der Stadt wurde ein Gremium für die Vertretung der Interessen der Bürgergemeinde tätig.

Heftig umstritten war in den folgenden Jahrhunderten, wer im Stadtrat sitzen sollte. Waren dies zunächst die Fernkaufleute, zusammengeschlossen in der Reinoldigilde, so versuchten die Handwerker-Bürger über ihre Zünfte eine
Mitbestimmung des Rates und in der Folge eine Partizipation am Ratsregiment zu erreichen.

Am Dortmunder Beispiel lässt sich sehr gut nachvollziehen, dass die Stadt des deutschen Mittelalters auf einer modern anmutenden wesentlichen Neuerung beruhte:

Wollte Dortmund in der von den Territorialherren Grafen von der Mark und Erzbischöfe von Köln feindlich geprägten Umgebung überleben, musste die Stadtgemeinde den Konflikt durch Kompromiss im Konsens beenden.

Immer wieder hat die Dortmunder Bürgergemeinde dies geschafft und war sich dessen bewusst. 1260 erreichen die Zünfte so eine Mitwirkung an der Ratswahl; nach einem Aufstand gegen den Rat wegen Misswirtschaft erhalten
die Zünfte schließlich im Jahre 1400 die ersten Ratssitze.